Schöllbronn und seine Geschichte

 

 

 

 

Der Wassermangel, an dem einst die Anhöhe über dem Albtal litt, soll dem Dorf den Namen gegeben haben. Schöllbronn ist erstmals 1254 in einer Urkunde von Papst Alexander IV. ausgestellten Urkunde als Schelthebrunnen erwähnt. Der Brunnen hatte keine Quelle, sonder in ihm sammelte sich das Regenwasser von altersher. Mit der Schelle wurde bekannt gegeben, dass der Brunnen Wasser habe, was nicht immer der Fall. Der Brunnen war verschlossen und wurde nur zum Wasser holen geöffnet.

 

Erst seit 1897 ist Schöllbronn im Besitz einer Wasserleitung, die vom oberen Moosalbtal kommt. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Schreibweise Schöllbronns oft geändert. So schrieb man in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Scheltphronen, 1464 Schehlbronn. Erst um 1700 taucht die heutige Schreibweise Schöllbronn im Kirchenbuch auf.

 

Das Dorf Schöllbronn gehört zu den ältesten Ansiedlungen der Gegend. Die ersten Nachrichten stammen aus dem 13. Jahrhundert. Doch nimmt man an, dass Schöllbronn noch viel älter ist. Es ist anzunehmen, dass schon zur Römerzeit einzelne Gehöfte vorhanden waren. So führte eine Römerstraße von Ettlingenweier über Spessart ins hintere Albtal nach Pfaffenrot und Burbach. Spuren dieser Römerstraße, nämlich alte Pflasterungen, sind heute noch beim Totenmannstein zu sehen. Ferner fand man beim Bau der jetzigen Kirche 1878 in den Fundamenten einen Viergötterstein aus Buntsandstein. Dieser zeigt im Hochrelief Juno, Apollo, Herkules und Minerva. Die Viergöttersteine sind viereckige Steinsäulen, die auf allen vier Seiten mit dem Bildnis je einer Gottheit geschmückt sind. Sie tragen gewöhnlich keine Inschrift und dienten wahrscheinlich als Sockel für ein Götterbild.

 

In Schöllbronn besaß das Kloster Gottesau einen Hof, der schon 1261 urkundlich erwähnt wird. Die Klöster Herrenalb und Frauenalb besaßen hier frühzeitig Güter. Doch war Schöllbronn nie ein Klosterdorf von Frauenalb, wie dies bei den umliegenden Dörfern Spessart, Burbach und Völkersbach bis 1803 der Fall war.

 

Schöllbronn gehörte schon im 14. Jahrhundert zur Hälfte der Markgrafschaft Baden an. Die andere Hälfte war Eigentum der Herren von Remchingen, welche Lehensleute der Grafen von Leiningen waren. Im Jahr 1457 verkaufte der Edelknecht  Wilhelm von Remchingen mit Einwilligung seines Lehnsherrn Graf Hesse von Leiningen seine Hälfte nebst Patronat (Pfarrpfründe) und den Rimmelsbacher Hof für 2700 Gulden an die Gebrüder Markgrafen Karl I. und Bernhard II. So kam jetzt das ganze Dorf Schöllbronn zur Badischen Markgrafschaft. Unter der Regentschaft des Markgrafen blühte das Dorf mächtig empor. Der Schultheiß der Gemeinde, vom Markgrafen ernannt, war zugleich markgräflicher Vollzugsbeamter. Unter wohlhabenden Verhältnissen eignete sich das Dorf eine Vielzahl von Rechten an. Schon 1485 bekam Schöllbronn das Dorfrecht. In 68 Paragraphen waren die Grenzen des Dorfes, die Rechte und Freiheiten der Gemeinde sowie die Abgaben und andere Vereinbarung mit der Herrschaft aufgezeichnet. Auf das Dorfrecht waren die Richter von Schöllbronn vereidigt. Zäh verteidigten sie ihre Rechte gegen etwaige Übergriffe des Herrn. Die Bürger waren frei und unabhängig. Diese Freiheit übertrug sich von Generation zu Generation. Sie bereitete der Obrigkeit oft Schwierigkeiten. Die Männer von Schöllbronn beteiligten sich auch an den Bauernkriegen. Als Strafe dafür kamen die Schöllbronner in die Leibeigenschaft der Markgrafen. 1515 regelte Markgraf Christoph von Baden seine Nachfolge und teilte die markgräflichen Lande unter seinen drei Söhnen auf. Markgraf Philipp I. fiel dabei u.a. auch die Markgrafschaft Baden zu, der auch Schöllbronn angehörte. Als dieser 1533 starb, teilten seine Brüder 1535 seine Länder unter sich auf. Der südliche Teil, dessen Hauptstadt Baden-Baden war, blieb der katholischen Religion treu. Der nördliche Teil, der von Durlach aus regiert wurde, schloss sich der lutherischen Lehre an.

 

Im 30-jährigen Krieg (1618-1648) hatte Schöllbronn viel ausgestanden und war tief heruntergekommen. Im Jahre 1622 waren Kroaten, Soldaten des Generals Spinola, ins Dorf gekommen. Der damalige Ortspfarrer Sedelmayer wurde bei der Linde von einem Kroaten erschossen.

 

Großen Plünderungen waren die Schöllbronner beim Durchmarsch der Franzosen von Ettlingen nach Pforzheim im Jahre 1691 ausgesetzt. Aber vor ihrem Eintreffen nahm man zwei Kirchenglocken vom Turm und versteckte sie. Doch die Franzosen fanden sie bald, schlugen sie in Stücke und führten sie mit sich fort. Als Ersatz wurde im Frühjahr 1701 eine kleine Glocke angeschafft. 1706 eine zweite größere und 1712 noch zwei weitere Glocken.

 

Im spanischen Erbfolgekrieg (1701/1714) wurde bei Schöllbronn und Spessart 1708 eine Befestigungslinie angelegt. Diese wurde Ettlinger Linie genannt. Eindrucksvolle Reste sind im Wald westlich der Straße nach Ettlingen heute noch zu sehen, besonders das in Quartform angelegte Hauptlager und die sich noch quer durch den Wald ziehende Schanze. 1707 bis mindestens 1711 waren ständig Truppen als Besatzung der Ettlinger Linie anwesend und wurden auch in Schöllbronn einquartiert.

 

Neben den Hand- und Spanndiensten zum Bau der Schanze hatten die Schöllbronner erhebliche Kriegssteuern zu entrichten. Ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Lage bildet die Nachricht, dass sogar der Schöllbronner Pfarrgarten als Ackerfeld genutzt werden musste.

 

Die Gemeinde besaß viele Waldungen, fast ausschließlich Laubwald mit Eiche und Rotbuche. Dieser wurde intensiv als Weide für Schweine und Rinder genutzt. So wurde im Mittelalter stark die Schweinezucht betrieben und auch schon früh Holzhandel getätigt.

 

Schon in alten Zeiten hatte Schöllbronn im Moosalbtal eine Mühle, die leider im Jahre 1967 ein Raub der Flammen wurde. Sie besaß für den Ort das Bannrecht, d.h. die Schöllbronner waren verpflichtet, ihre Frucht hier mahlen zu lassen.

 

Zur Gemeinde Schöllbronn gehört auch der Rimmelsbacher Hof. Dieser wird urkundlich erwähnt als Rumilisbach = Bach des Rumili. 1428 hier Rumelsbach, 1800 Rummelsbacher Hof. Im Jahre 1115 schenkte der Edle Luitfried von Bruchhausen diesen Hof dem Kloster Reichenbach.

 

Schon im 15. Jahrhundert hatte Schöllbronn eine eigene Kirche und eine Pfarrei. Im Jahre 1483 wurde sie von Bischof Heinrich von Myra dem heiligen Bonifatius geweiht. Es geschah dies an einem Sonntag vor dem Michaelstag (28. September), weshalb bis in die jüngere Zeit an diesem Tage eine Prozession stattfand. Die Pfarrei war mit einem großen Pfarrgut ausgestattet. Einem Schreiben von 1544 ist zu entnehmen, dass das Dorf damals von der Pfarrei St. Martin in Ettlingen mitversorgt wurde. Im September 1545 übernahm Georg Motzer die freie Pfarrstelle. Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts wurde sie nacheinander durch mehrere lutherische Pfarrer besetzt. 1623 wurde der erste katholische Pfarrer, Jakob Syter, eingesetzt. 1724 wurde die Kirche vergrößert und 1749 wurde eine Erhöhung des Kirchturms vorgenommen. Am 24. Februar 1878 fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirche statt. Die Grundsteinlegung für die neue, in gotischem Stil erbaute Kirche, fand am Pfingstsonntag, 10. Juni 1878 statt. Das neue Gotteshaus, dessen Bau inzwischen 180.000 Mark kostete, wurde am 27. Juni 1880 geweiht.

Schöllbronn zählte im Jahre 1683 18 Familien mit etwa 90 Einwohnern. 1815 zählte man dagegen schon 474. Heute wohnen in Schöllbronn nahezu 3.000 Menschen.

 

 

Blick auf Schöllbronn vom Retzberg